Wie Tourismus unsere Städte zerstört

Wir brauchen keine Soldaten mehr. Es reichen Touristen, um unsere Städte zu zerstören.

INTRO

Und damit herzlich willkommen zu den SRSLY NEWS. Heute mit einem Thema, das uns alle und wahrscheinlich auch aktuell betrifft. Denn es ist Hauptreisezeit und wir Deutschen LIEBEN es, zu reisen. 77 Prozent unserer Bevölkerung war 2014 unterwegs auf Reisen. Überall wo ich hingehe, treffe ich auf Deutsche. Ich bin nach dem Abi nach Neuseeland geflogen, um Englisch zu lernen, aber in den Hostels waren mehr Deutsche als am Brandenburger Tor. DAS zeigt wiederum: Nicht nur WIR reisen gerne, die halbe Welt scheint darauf zu stehen, sich in Touri-Vierteln das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen. Was ist aber, wenn sich ein Touri-Viertel über die ganze Stadt erstreckt. Ist Venedig überhaupt noch eine Stadt, wenn da kaum einer mehr wohnt, Arbeiterkneipen in Touri-Szenebars verwandelt werden und der lokale Bäcker dem Souvenirshop weichen muss? Wie soll man darauf reagieren, dass die Strände Spaniens teils so voll sind, dass man selbst die Einsiedlerkrebse um ihren geräumigen Platz beneidet?

Darf man sich über solche Entwicklungen überhaupt beschweren, wenn man selbst gerne zum Scheiß-Touri wird? Der Tourismus, so sehen das meist die Einwohner, zerstört die Städte. Darauf möchte ich heute eingehen und zum Schluss erkläre ich noch, warum Tourismus nicht nur Städte zerstört.

Was man vielleicht zuerst mal erwähnen sollte: Folgendes Zitat: „Florenz ist nichts Besseres als ein Museum voller Touristen.“ stammt vom Franzosen Stendhal und zwar aus dem Jahr 1826. Man scheint sich also schon immer gerne über Touristen aufgeregt zu haben, das ist wohl nichts Neues. Neu ist aber sicher das Ausmaß. Die Playa de las Catedrales in Spanien wollten im Schnitt bis zu 20 000 Menschen pro Tag besuchen. Es haben sich kilometerlange Menschenschlangen gebildet. Die Regionalregierung hat jetzt reagiert. Seit Juli darf man dort nur noch hin, wenn man sich vorher online angemeldet hat. Am besten 15 Tage im Voraus. Pro Tag können jetzt also nur noch knapp 5000 Menschen den Strand besuchen. Man will dadurch die Umwelt schützen und den Besucherstrom kontrollieren. Auch beim Markusplatz in Venedig wird über eine Zugangsbeschränkung nachgedacht. Und die Balearen, die jährlich 14 Millionen Touristen aufnehmen, wollen durch eine Touristenquote in der Hauptsaison erreichen, dass sich die Besuche besser über das Jahr verteilen. In den Sommermonaten sei die Aufnahmekapazität total erschöpft, sagt die Regionalregierung auf Mallorca. Sieht so also der Tourismus von morgen aus? Überall gibt es Zugangsbeschränkungen? Werden bei einer Pauschalreise künftig nicht nur Anfahrt und Hotel angeboten, sondern auch die Eintrittskarte auf den Trafalgar Square? Ich persönlich finde die Vorstellung gruselig. Aber ich finde natürlich auch die Entwicklungen in den Städten gruselig. Wenn das eigentliche Leben aus den Innenstädten verschwindet und alles nur noch vom Tourismus-Defibrilator künstlich am Leben erhalten wird, wo ist dann der Unterschied zwischen dem echten Venedig und dem nachgebauten Venedig in Las Vegas? Im Endeffekt entwickeln sich Städte in überteuerte Museen, durch die man marschieren kann und sich denkt: „Ach und hier haben früher also Menschen das Pariser Lebensgefühl genossen? Interessant.“

Auf der anderen Seite muss ich sagen: Was soll das? Über was beschwert man sich da? Dass wir immer mehr Menschen werden? Dass Menschen ihren Horizont erweitern, schon junge Leute fremde Kulturen und Länder bereisen und so bestimmt ein Stück weltoffener werden? Für viele Städte, das darf man hier nicht vergessen, ist der Tourismus eine entscheidende Einnahmequelle. Es entstehen Arbeitsplätze und damit nicht selten Wohlstand. Tourismus und Kongressgeschäft sichern allein in Berlin geschätzt 280 000 Arbeitsplätze. Außerdem geht mir das Touristen-Bashing mächtig auf die Klöten. Erstens sind wir meist selbst irgendwann irgendwo Touristen und zweitens ist das für mich oft nichts Anderes als salonfähiger Rassismus. „Scheiß Ausländer“ sagen ist No-Go, „Drecks Touris“ sagen ist en vogue.

Wenn man von negativen Auswirkungen beim Tourismus spricht, muss man jedoch noch eine ganz konkrete, physische Zerstörung ansprechen. Und zwar die, der Ökosysteme in Urlaubsparadiesen wie dem Roten Meer oder den Malediven. Hier werden ganze Korallenriffe zerstört, weil immer mehr Touristenboote ihre Anker auswerfen, rücksichtslose Taucher die Korallen begrabschen oder sogar abbrechen und als Souvenir mitnehmen und weil ganze Ökosysteme für den Tourismus umgebaut werden. So wird auf den Malediven zum Beispiel Sand aufgeschüttet, um die Formen der Inseln zu verändern, damit etwa Wasserbungalows nicht zu viel Wellen abbekommen. Dadurch verändert man Strömungen und zerstört Lebensräume. Der Schmutz, der beim Bau der Ferienparadiese entsteht und natürlich auch der, den die Touristen verursachen, tötet zusätzlich Lebewesen. Muscheln oder Schnecken, die Touristen kaufen und als Souvenir mit nach Hause nehmen, werden nicht am Strand aufgelesen, sondern extra mit Ködern aus dem Meer gefischt, weil sie nur dadurch ihre glänzende Oberfläche behalten. Dass man gegen diese Zerstörung der Natur vorgehen muss, liegt nicht nur im Interesse der Umweltschützer. Denn wenn Riffe sterben, sterben Fische, dann haben Fischer nichts mehr zu fischen. Auch Fischers Fritze nicht. Außerdem bleiben DANN auch irgendwann die Tauchtouristen aus. Es ist also auch aus wirtschaftlicher Sicht nur sinnvoll, diese zerstörerischen Auswirkungen des Tourismus einzudämmen. In diesem Fall kann die Politik vor Ort mit Fangverboten, Taucher-Quoten oder der Errichtung von Naturschutzgebieten eigentlich schnell reagieren. Das ist bei den anfangs angesprochenen Problemen in den Touristenstädten natürlich nicht so einfach. Oder sollte es bald sowas wie Naturschutzgebiete für Städte geben, Stadtschutzgebiete, in denen weit und breit keine Postkarte verkauft werden darf? Findet ihr, die Politik sollte zum Beispiel verhindern, dass Wohnraum in Ferienwohnungen verwandelt wird?

Oder sagt ihr, die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, und wir sollten uns damit abfinden, dass viele Innenstädte zu „Plastikstädten“ verkommen? Ich persönlich hätte ja nichts gegen ein Verbot von Junggesellenabschieden mit einheitlichem neonfarbenem Trikot – Ich glaube, da wäre schon mal viel getan. Schreibt eure Meinung zum Thema in die Kommentare, wenn euch das Video gefallen hat, freu ich mich über euren Like, abonniert meinen Kanal SRSLY und klickt dann noch auf diesen Kommentar von Claudio Murmann „Ich finde, man sollte die hohe Poesie der NPD Trier im Deutschunterricht analysieren.“ Da geht’s zur letzten SRSLY SHOW – also Mords Gaudi – unter anderem mit den Creep Tweets, viel Spaß dabei, bis übermorgen, habt trotzdem nen schönen Urlaub, ciao!

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