Prostitution und Zuhälterei entkriminalisieren?

Wir alle besuchen sie täglich, aber trotzdem sind sie in manchen Ländern illegal: Prostituierte

– INTRO –

Und damit herzlich willkommen zu den SRSLY NEWS. Ein Vorstoß der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wird zur Zeit heftig diskutiert. Sie fordert die Entkriminalisierung von Prostitution. In Deutschland ist Prostitution zwar legal, aber weltweit sieht das ganz anders aus. In all den rot markierten Ländern auf dieser Karte ist Prostitution illegal. Amnesty fordert, dass Prostituierte, aber auch Zuhälter und Bordellbetreiber nicht grundsätzlich kriminalisiert werden sollen. Denn sonst finde das alles im Untergrund statt, wo die Sex-Arbeiterinnen überhaupt keine Rechte haben und wie Dreck behandelt würden. Salil Shetty, der Generalsekretär von Amnesty International sagt dazu:

„Prostituierte sind eine der am meisten vernachlässigten Gruppen in der Welt, die in den meisten Fällen ständig dem Risiko von Diskriminierung, Gewalt und Missbrauch ausgesetzt sind.“

Die Gegner des Vorstoßes sind entsetzt und sagen, dass sich dadurch Menschenhändler und Sextouristen bereits ihre blutigen beziehungsweise klebrigen Hände reiben würden. Zu den Kritikern zählt auch Alice Schwarzer und ihre Zeitschrift Emma. Sie befürchten, dass mit einer Entkriminalisierung nur diejenigen vor Bestrafung geschützt würden, die Milliarden am Handel mit Frauen verdienen. Die Emma schreibt sogar, dass die Organisation Amnesty International damit an ihrem unrühmlichen Ende angelangt sei. So, wem soll man hier jetzt glauben? Ist es gut oder schlecht, Prostitution zu erlauben? Ich mein, so oder so wird es immer Prostitution geben, gab es ja wohl auch schon so gut wie immer. Sollte man das dann nicht einfach akzeptieren und alles dafür tun, dass es wenigstens geregelt und menschenwürdig abläuft? Aber was ist mit der Tatsache, dass etliche Prostituierte zur Arbeit gezwungen werden? Wird es durch eine Legalisierung nicht viel schwieriger, den Menschenhandel zu stoppen?

Fakt ist: In Ländern, in denen Prostitution verboten ist, führen Prostituierte oft ein gefährliches Leben. Amnesty hat dazu mit einigen aus verschiedenen Ländern gesprochen. In Papua Neuguinea ist Prostitution verboten. Eine Sexarbeiterin erzählt, dass sie hier von der Polizei geschlagen und gejagt wird. In Krankenhäusern werde man schief angeguckt und schlecht behandelt. Auch in anderen Ländern, wo Prostitution verboten ist, berichten Sex-Arbeiterinnen davon, dass sie wie Menschen zweiter Klasse behandelt und schlichtweg diskriminiert würden. Eine Prostituierte aus Norwegen – auch ein Land mit strengen Prostitutionsgesetzen, wollte sich für ein Treffen einen Bodyguard mieten, der hatte aber Schiss, seinen Job zu verlieren, wenn er für sie arbeiten würde. Der Zugang zu Sicherheit, Medizin, Justiz scheint für Prostituierte in Ländern mit entsprechenden Verboten schwieriger zu sein, als für Menschen mit anderen Jobs. Das nennt man Diskriminierung. Ein weiteres Beispiel: In manchen Ländern werden Transgender derart diskriminiert, dass sie keinen Job bekommen. Für viele ist Prostitution dann der einzige Weg, um an Geld zu kommen. Durch entsprechende Verbote werden in solchen Ländern viele Transgender kriminalisiert. Wie kann man einen Vorstoß kritisieren, der genau diese diskriminierenden Zustände bekämpfen will? Naja, man weiß eben nicht genau, inwiefern eine weltweite Entkriminalisierung tatsächlich dem Menschenhandel in die Taschen spielt. Wenn Zuhälterei legalisiert ist, finden sicher auch kriminelle Zuhälter und Händler Wege, dass nur die legalen Seiten des Geschäfts an die Öffentlichkeit gelangen.

Bei der Recherche hab ich schnell gemerkt, dass es in der Diskussion teilweise gar nicht darum geht, ob man die Rechte der Prostituierten stärken soll oder nicht. Es geht um eine grundsätzlichere Frage: Ist Prostitution generell okay, oder sollte es in einer aufgeklärten, emanzipierten Gesellschaft überhaupt keine Prostituierte mehr geben? Dann sagen die einen: Eine Frau sollte selbst entscheiden dürfen, was sie mit ihrem Körper macht und wie sie ihr Geld verdient. Die andere Seite sagt: Keine emanzipierte Frau der Welt, will freiwillig ihren Körper verkaufen. Da stecke immer Zwang dahinter. Dann sagen die anderen wiederum: Das ist eine völlig veraltete, sexistische Sichtweise, die Frauen in „Moralische Menschen“ und „Schlampen“ einteilt. Diejenige, die mit vielen Männern Sex hat, ist eine Schlampe und macht das nur, weil sie dazu gezwungen wird. Dass es Frauen gibt, die gerne Sex haben, und kein Problem damit haben, dafür Geld zu verlangen, wird als Märchen abgetan. Ich hab jedenfalls gemerkt: Es ist ein verdammt schwieriges Thema! Einerseits gibt es sie natürlich: Die Prostituierte, die das freiwillig und gerne macht. Andererseits wäre es völlig naiv und gefährlich nicht zu erkennen, dass eine große Masse der Prostituierten gezwungen wird und in einem kriminellen System gefangen ist – auch in Ländern, in denen Prostitution erlaubt ist. Was mich aber ärgert ist, dass die Gegner des Vorstoßes derart auf Amnesty losgehen. Denn, wenn man mal die Emotionen rausnehmen würde, merkt man schnell: Beide Seiten wollen das gleiche: Menschenhandel stoppen, die Rechte der Betroffenen stärken. Sollte man sich dann nicht eher zusammentun und sagen OK, euer Vorschlag ist gut gemeint, aber wenn man nicht gleichzeitig x,y reguliert, könnte das dazu führen, dass Menschenhändler profitieren?

Die Frage, ob Prostitution generell ok ist, kann man in den Feuilletons und Philosophie-Seminaren diskutieren. Die Realität sieht nun mal so aus, dass sich viele Frauen, oder auch Männer dazu entscheiden, sich zu prostituieren. Diese Lebensrealität muss angenommen werden und dann muss diskutiert werden, welche Gesetze zu einem besseren Zustand der betroffenen Frauen, Männer, Transgender führen könnten. Generell tendiere ich im Moment zur Einstellung von Amnesty. In meinem Kopf ist einfach die Situation, dass eine Prostituierte von einem Freier verprügelt wird, danach aber nicht zu Polizei geht, weil sie Schiss hat verhaftet zu werden, weil Prostitution im Land verboten ist. Ich glaube also, dass es sinnvoll wäre, zunächst mal eine Entkriminalisierung weltweit durchzuführen und im nächsten Schritt beziehungsweise zeitgleich Maßnahmen zu diskutieren, die kriminelle Machenschaften unterbinden sollen. Mögliche Gesetzesänderungen sollten daher immer in enger Zusammenarbeit mit der Verbrechensbekämpfung im Land geplant werden.

Das ist meine Meinung, schreibt eure jetzt aber gerne in die Kommentare, fändet ihr eine Entkriminalisierung sinnvoll? Was sagt ihr generell zum Thema Prostitution? Ich bin gespannt auf eure Einstellung! Wenn euch dieses Video gefallen hat, freue ich mich über den sogenannten Daumen nach oben, abonniert SRSLY und klickt dann noch auf diesen Kommentar von Kurt Peh „dankeschön, dass du mir prophylaktisch meinen Familienurlaub versaust. Venedig wird jetzt richtig schön ;)“ Da geht’s zur letzten SRSLY NEWS, in der ich beschrieben habe, wie Touristen alles kaputt machen. Alles. Viel Spaß dabei und bis Donnerstag zur SRSLY SHOW!

ZUM VIDEO

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3 Gedanken zu “Prostitution und Zuhälterei entkriminalisieren?

  1. Willst du Fragen nur auf Twitter bzw. YouTube, oder geht es jetzt auch hier auf WordPress?
    Übrigens: Schöne Videos zu vielen unterschiedlichen Themen, die von mehreren Gesichtspunkten, und damit auch für gut für die Meinungsbildung des Zuschauers, behandelt werden. Mach so weiter!

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