Unterschiede im Schulsystem von Österreich, Schweiz und Deutschland

Wie unterscheiden sich die Schulsysteme von Österreich, Deutschland und der Schweiz? Darüber wollte ich berichten. Beim Recherchieren habe ich gemerkt: Sooo eine gute Idee war das jetzt mal gar nicht. Denn: Es ist schwer Dinge zu vergleichen, die in sich selbst ja auch noch mal stark unterschiedlich sind. In Deutschland haben wir die Bundesländer, die über Bildung unterschiedlich entscheiden dürfen, in der Schweiz sind es die Kantone und in Österreich… In Österreich ist das nicht aufgeteilt, da entscheidet der Bund. Aha, da haben wir doch schon unseren ersten Unterschied und genau so wollen wir uns in diesem Video mal weiterhangeln und zum Schluss sollten uns zumindest ein paar Unterschiede grob bekannt sein.

Die Unterschiede beginnen in einem Alter, in dem die meisten von uns ihre Unschuld noch nicht verloren haben und die anderen sich schleunigst einen neuen Pfarrer suchen sollten: im Kindergartenalter. In Deutschland kann man mit 3 in die Kita, für Jüngere gibt es Krippenplätze. Der Besuch eines Kindergartens ist in Deutschland keine Pflicht, anders als in Österreich und der Schweiz. In der Schweiz ist ein Kindergartenbesuch neuerdings in fast allen Kantonen obligatorisch, also Pflicht. Mit 4 Jahren geht’s da also spätestens los. Auch in Österreich ist der Kindergartenbesuch seit 2009 zumindest für Fünf- bis Sechsjährige zur Pflicht geworden. Aber kommen wir nun zum harten Business-Shit, kommen wir zur Schulzeit! Bei uns in Deutschland beginnt die bekanntlich mit der Grundschule. In Österreich heißt das Volksschule und in der Schweiz spricht man von der Primarschule. Das Eintrittsalter ist in allen drei Ländern gleich: Ungefähr 6. Apropos 6: Steht diese Zahl auf dem Test von deutschen Schülern, ärgern sie sich zu Tode, Schweizer machen dagegen einen Freudentanz. Aber nicht weil Schweizer schlechte Noten liiiieben, sondern weil die Note 6 in der Schweiz „sehr gut“ bedeutet. Die Note 1 nennt man dort übrigens, äußerst motivierend: „Unbrauchbar“. Der Österreicher kann mit 6 gar nichts anfangen. Aber nicht weil er besonders prüde ist, sondern weil dort die Note 6 nicht existiert. Hier geht die Bewertung nur bis 5: „nicht genügend“

Nach der Grundschule beginnt in allen Ländern die Sekundarstufe 1 – in Deutschland ist das nach der vierten Klasse. Da kommt dann die große Entscheidung: Bekommt das Kind eine Empfehlung für die Hauptschule, Realschule, oder das Gymnasium. In einigen Bundesländern gibt es nur die Unterscheidung zwischen Gymnasium und Gesamtschule. Und dann gibt’s natürlich wieder in einigen Bundesländern andere Bezeichnungen für den ganzen Spaß, aber ich kann hier auch nicht auf jede Extrawurst eingehen. Österreich macht es einem da zunächst mal leichter: Hier gibt’s nach der Volksschule erstmal nur die Unterscheidung: Hauptschule oder die sogenannte Allgemeinbildende höhere Schulunterstufe eines Gymnasiums. Die Hauptschule in Österreich ist aber nicht zu vergleichen mit der deutschen Hauptschule, die ja einen teils sehr schlechten Ruf hat. In Österreich ist es nicht unüblich erst auf die Hauptschule zu gehen und später trotzdem noch die Matura, also das Abitur zu erreichen und studieren zu können. Innerhalb der österreichischen Hauptschule gibt es auch nochmal eine Unterteilung in verschiedene Leistungsstufen. Je nach Kanton beginnt die Sekundarstufe 1 in der Schweiz ab der fünften, sechsten, oder siebten Klasse. Auch hier gibt es nochmal unterschiedliche Leistungsniveaus, in die die Kinder eingeteilt werden. Wie die genau aussehen und heißen ist von Kanton zu Kanton und innerhalb der Kantone unterschiedlich. Wir merken uns also heute nur: In Österreich und der Schweiz gibt’s nach der Volks- beziehungsweise Primarschule erstmal eine Art Zwischenstufe bis zur 8. Oder 9. Klasse.

Dann gibt’s nochmal einen Wechsel. Und wenn ich jetzt alle möglichen Schulrichtungen in allen drei Ländern ab der Sekundarstufe 2 aufzählen würde, dann wären in der Zwischenzeit hunderte Reissäcke in China geplatzt und wir wären alle verwirrt. Ein kleiner Einblick: in Österreich gibt’s die Berufsbildende höhere Schule, die AHS-Oberstufe, die Polytechnische Schule, in der Schweiz die Mittelschule, die Fachmittelschule, die Berufsmittelschule und so weiter. Und auch in Deutschland gibt’s ja mittlerweile Wirtschaftsgymnasien, Berufskollegs und und und. Seht ihr, ihr schielt doch schon, so verwirrt seid ihr. Ich will’s also nur grob anreißen: In Österreich wird ab Sekundarstufe 2 schon viel wert auf die berufliche Spezialisierung gelegt, man kann auch auf eine Schule gehen, auf der man Matura und Ausbildung gleichzeitig machen kann. In der Schweiz ist die Kantonschule, das Pendant zum Gymnasium nur sehr schwer zu erreichen. Lediglich 20 Prozent der Schüler werden hier durchschnittlich zugelassen. In Deutschland machen knapp 30 Prozent Abitur, dazu kommen nochmal rund 14 Prozent mit Fachhochschulreife.

Kommen wir aber zu wichtigeren Themen: Ferien! Da könnt ihr deutschen Schüler aber mal so richtig neidisch auf die Österreicher sein. Denn, wo ihr nur 6 lächerliche Wochen Sommerferien habt, sind es in Österreich neun! In der Schweiz variiert das wieder von Kanton zu Kanton zwischen 5 Wochen, oder wie im Kanton Tessin motherfucking 11 Wochen. Aber wenn es euch mal wieder richtig gut geht und ihr ne Prise Schlechte Laune gebrauchen könnt, dann denkt dran: Es gibt Länder, wie Türkei oder Italien, da haben die Schüler 13 Wochen Sommerferien. Die drei Länder unterscheiden sich aber auch noch in der Klassengröße: Durchschnittlich sitzen in Deutschlands Sekundarschulen knapp 25 Kinder, in Österreich 21 und in der Schweiz 20. Wobei man dazusagen muss, dass in Chinas Klassen durchschnittlich 53 Kinder sitzen und die sind immerhin Spitzenreiter in den Pisa-Studien. Also, mit ein bisschen diktatorischer Gefügigkeit lässt sich auch in großen Klassen Erfolg haben.

Ich hab’s am Anfang angedeutet: Es ist schwer die Länder zu vergleichen und es ist vor allem schwer ein Thema, über das man mehrere Doktorarbeiten schreiben könnte, in so kurzer Zeit zu behandeln. Ich hab also nur ein paar Gebiete kurz anreißen können und habe euch damit einen kleinen Einblick in die verschiedenen Schulsysteme von Deutschland, Österreich und der Schweiz geliefert. Jetzt könnt ihr aber gerne euren Frust loswerden: Aus welchem Land kommt ihr und was stört euch an eurem Schulsystem am meisten? Was würdet ihr ändern, wenn ihr entscheiden könntet?

ZUM VIDEO

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