Gefahren von Virtual Reality

Die „Virtual Reality“ – kurz VR-Brillen sind der nicht mehr ganz so heimliche Star auf Gamescom und Co.. Jeder will mal ausprobieren, wie es ist, sich in einer virtuellen Welt zu bewegen, sich im Spiel umschauen zu können, einen Sprung aus dem Flugzeug zu simulieren und dabei sein Hirn mal so richtig zu pranken. Das will man aber nicht erst seit diesem Jahr. Ich weiß noch, dass es damals bei den Sims schon so eine Virtual-Reality-Brille zur Unterhaltung der Sims gab. Das war im Jahr 2000. Das ist motherfucking 15 Jahre her.

So lange wartet man also schon darauf, dass die Dinger endlich massenhaft auf den Markt kommen und in den nächsten Jahren ist das soweit. Wir stehen kurz davor! Stehen wir also auch wenige Schritte vor dem Abgrund? Wird die virtuelle Realität uns alle vernichten? Ich glaube, diese Frage kann ich schonmal vorweg beantworten: Eher nicht…

Aber: Es kann schon Sinn machen, bereits vor dem Zeitpunkt, an dem fast jeder Haushalt eine oculus rift, project Morpheus und so weiter besitzen wird, sich Gedanken über mögliche Gefahren zu machen – Und da möchte ich jetzt mal ein paar Möglichkeiten anreißen: Am naheliegendsten ist die Gefahr, dass man die virtuelle Realität bald nicht mehr von der tatsächlichen Realität unterscheiden kann. In ein paar Jahren, oder meinetwegen auch Jahrzehnten wird die Grafik auch bei den VR-Brillen derart perfektioniert sein, dass es schon rein optisch schwierig wird, das Gesehene als Simulation wahrzunehmen. Wenn man dann, durch die Brillen, noch das Gefühl hat, tatsächlich in der simulierten Landschaft zu stehen und auch die Audioeffekte realistisch sind, dann höre ich doch jetzt schon die Killer-Spiele-Journalisten auf ihren Schreibmaschinen tippen – Journalisten werden später natürlich immer noch auf Schreibmaschinen schreiben. Es wird Artikel geben, die ein Verbot von Ballerspielen auf der Oculust Rift oder so fordern. Denn, wenn es jetzt schon Leute gibt, die sagen, dass Menschen zu Killern mutieren, wenn sie ne Woche das Grafik-Highlight Counter Strike gespielt haben, dann werden die sich auf VR-Spiele geradezu stürzen. Es müssen später doch nur zwei College-Amokläufer eine VR-Brille zu Hause rumliegen haben und schon ist die virtuelle und tatsächliche Kacke am Dampfen!

Aber: Wäre die Aufregung dabei nicht sogar verständlich? Ich finde, ein PC-Spiel kann niemanden zum Killer erziehen. Aber ist das bei VR-Brillen nicht etwas anders? Immerhin trainieren bereits Soldaten mit solchen Brillen. Dabei werden Schlachtfelder simuliert, Taktiken und Strategien einstudiert – es wird aber auch auf Ziele geschossen. Zum Beispiel mit speziellen VR-Waffen. Beim Spielen mit VR-Brillen wird die Psyche eines Menschen aufgrund der immensen Eindrücke ganz anders belastet als beim Zocken eines normalen Computerspiels. Wer weiß, was das mit einem Teenager anstellen kann, wenn er jahrelang täglich in der virtuellen Realität auf Menschen schießt und diese virtuelle Realität wie gesagt bald optisch und gefühlt nicht mehr großartig von der echten Welt unterschieden werden kann? Wenn in der virtuellen Realität bestimmte Verhaltensweisen antrainiert werden, kann es passieren, dass man die auch in der echten Welt anwendet. So, diese Gefahr muss man zumindest mal diskutieren, ich bin trotzdem der Meinung: Auch so ein Spiel kann keinen Menschen zum Killer machen. Ich hab ja auch mega realistische Träume, wie ich – keine Ahnung – erschossen werde oder so und bin danach nicht komplett traumatisiert. Eine gesunde Psyche wird also wahrscheinlich auch nach vielen Runden oculust rift wissen, dass man im echten Leben nicht unbedingt auf Menschen schießen sollte. Weil es einfach unhöflich und, wenn wir mal ehrlich sind, auch ziemlich fies ist.

Was mit einer kranken, oder für Störungen anfälligen Psyche passieren könnte – das ist natürlich wieder was Anderes. Aber damit diese Menschen dann eine Straftat begehen, oder die Kontrolle über ihr Leben verlieren, dazu brauch es keine VR-Brille. Und damit kommen wir zu einer weiteren Gefahr: Leute, die anfällig für eine Drogensucht sind, könnten auch anfällig für eine Oculus-Rift-Sucht sein. Wenn Menschen der Ist-Zustand im Drogenrausch besser gefällt als das richtige Leben, dann kann es passieren, dass sie immer häufiger high werden wollen und schließlich fast gar nicht mehr ohne Rausch leben können. Ähnlich wird das bei virtual Reality sein. Problemen und Stress im Alltag kann man bald entgehen, indem man sich eine VR-Brille aufsetzt. Hier kann man sich die Welt, in der man lebt aussuchen und weil das Hirn derart ausgetrickst wird, kann man sich in dieser Welt dann völlig verlieren. Das kann ein super Stressausgleich sein, aber wie immer dann auch zu Süchten führen – weil eben die positive Stimmung im Spiel nicht mehr in der realen Welt erreicht werden kann. Schon jetzt sterben Menschen, weil sie tagelang durchzocken und dann an Erschöpfung sterben. Das wird es in der virtuellen Realität höchstwahrscheinlich auch geben und schon gingen die Diskussionen los.

Dann fiel mir noch eine weitere Gefahr ein. Und zwar geht es um eine neue Dimension von Cyber-Mobbing. Es wird sicher bald virtuelle Chatrooms geben, in denen man mittels Avataren durch einen Raum spazieren und mit fremden Menschen sprechen kann. Wenn wir uns jetzt daran erinnern, wie höflich Menschen im Internet teils miteinander umgehen, dann kann man sich denken, dass das so auch in der virtuellen Welt ablaufen wird. Ich stelle mir jetzt nur den 10-Jährigen Jungen vor, der von fünf Personen virtuell umzingelt und von denen aufs Übelste beschimpft wird. Das ist im normalen Chat schon für viele Kids hart – wird aber in der virtuellen Realität, in der die Eindrücke ja viel realistischer und stärker sind und man den Angreifern quasi ins Gesicht schauen kann viel härter. Auch hier wird es Selbstmorde geben, wage ich jetzt mal zu orakeln.

Dann gibt es natürlich wie immer die Gefahr der Datensicherheit, wenn man mit VR noch häufiger online sein sollte, wird man natürlich noch mehr Informationen über sich preisgeben und so weiter. Wenn euch noch weitere Gefahren einfallen, schreibt die gerne in die Kommentare. Aber ich muss sagen: Mir ist aufgefallen, dass alle möglichen Gefahren, die VR mit sich bringen, keine wirklich neuen sind. Man muss darüber diskutieren und darf sie nicht unterschätzen, aber man darf die Technologie dafür nicht verantwortlich machen, oder verteufeln. Die Probleme, die durch übermäßigen VR-Brillen-Konsum entstehen könnten, würden ohne Brille wahrscheinlich auf einer anderen Ebene entstehen. Die Ursachen sind da – wie so oft – eher in der Psyche der Betroffenen oder in der Gesellschaft zu suchen.

Schreibt eure Meinung aber gerne in die Kommentare und wenn ihr noch mehr zum Thema sehen wollt, dann kann ich euch wärmstens das Interview von meiner Kollegin der Klugscheisserin empfehlen. Sie hat mit einem wahren Experten auf dem Gebiet gesprochen. Da bekommt ihr dann nochmal einen fundierteren Überblick zum Thema Virtual Reality.

ZUM VIDEO

Advertisements