Schwarzer Humor: Was soll an AIDS lustig sein?

Letzte Woche habe ich beim Galgenroast Folgendes gesagt:

AUSSCHNITT GALGENROAST 

Auf diesen Joke gab es, wie ich das erwartet hatte, auch negative Reaktionen. Und so geht es mir bei jedem Gag, der sich eher in der Zone unterhalb der ominösen Gürtellinie befindet. Die Kritik geht dann meist in die Richtung: „Das ist geschmacklos. Ich wüsste nicht, was an Krebs lustig sein soll.“ Und so weiter. Auch wenn ein Großteil meiner Zuschauer doch darüber lachen kann, will ich jetzt mal die Frage stellen: Kommen wir Deutschen nicht auf schwarzen Humor klar? Sind wir da spießiger als andere Nationen? Ich mein, was läuft denn bei uns im Fernsehen? Wann hört man da mal einen Witz über Pädophilie? Über die hungernden Kinder in Afrika? Über AIDS? Menschen mit Behinderungen?

Haben die Sender und Fernsehmacher zu viel Angst vor den Reaktionen? Ich mein, wann würden wir im ZDF-Fernsehgarten mal folgenden Song hören:

Sarah Silverman (ca.33:14-33:31)

„Was? Die steht vor alten Menschen und sagt ihnen, dass sie bald sterben? Ich wüsste nicht, was daran lustig sein soll?!“ Wir lachen lieber über all die lustigen Situationen, die entstehen, wenn Männer und Frauen aufeinander treffen. Das müsst ihr euch mal vorstellen: Männer denken so und so über Frauen und umgekehrt!? Das ist doch der Brüller!

Ich will hier aber gar nicht über das herziehen, worüber wir in Deutschland lachen. Das kann ja auch alles witzig sein. Ich frage mich nur, ob wir noch viel mehr lachen könnten, wenn wir unsere Einstellung zu Comedy überdenken würden. Und ich hab mir Verstärkung mitgebracht. Eben habt ihr schon eine meiner Argumente kennengelernt, Sarah Silverman, die Frau, die den alten Leuten gesagt hat, dass sie nicht mehr lange zu leben haben. Sie ist eine Amerikanische Comedian. So wie der Rest meiner Verstärkung auch. Alle Videos, die ich euch jetzt zeigen werde, sind Ausschnitte von Comedians aus dem Amerikanischen, Englischen, sagen wir Angelsächsischen Raum. Das ist das, was ich mir gerne anschaue und ich glaube, dass vor allem jüngere Leute in Deutschland sowas auch extrem lustig finden. Aber wie oft hören wir so etwas 20:15 auf RTL, Sat1 und Co.:

Jimmy Carr (2:00-2:17)

„Hat sich Jimmy Carr gerade über Menschen mit Behinderungen lustig gemacht? Ging es um Sex mit Hunden? Ich wüsste nicht, was daran lustig ist?!“ Ich glaube vor allem in Amerika herrscht da eine ganz andere Kultur, was das angeht. Das sieht man ja am Erfolg des Formats „Comedy Central Roast“. Da geht es um nichts Anderes, als andere Menschen fertig zu machen. Mit Witzen. Hier zum Beispiel ein Ausschnitt aus der letzten Folge, dem Roast of Justin Bieber.

Pete Davidson (22:58 – 23:12)

Pete Davidson erzählt da also bei einem Comedy-Event, dass sein Vater am 11. September in den Twin Towern gestoben ist. „Wie bitte?“ – Würde die deutsche Presse reagieren. „Das ist doch wohl pietätlos und widerlich!“ Ok, dann friss das, Presse:

Jeff Ross (1:03:31 – 1:03:50)

BOUM! 911-Gag und gleich noch einen -joa- rassistischen Spruch hinterher. Und alle lachen. Ich bin mir fast sicher, dass Jeff Ross, der Typ, der gerade gesprochen hat, hier in Deutschland so schnell nichts mehr zu lachen hätte. Das muss man sich mal vorstellen: Das, was ihr eben gehört habt, wurde nicht irgendwo auf nem Indiesender ausgestrahlt, sondern vor 4,4 Millionen Zuschauern, alleine in den USA! Hier ein Ausschnitt aus einem anderen Comedy Central Roast:

Natasha Leggero  (0:43 – 0:52)

„Ich wüsste nicht, was an den mangelnden Hygiene-Verhältnissen in manchen Regionen Indiens lustig sein soll! Natasha Leggero!“ Ganz brisant hier in Deutschland ja auch das Thema Feminismus. Ich will nicht wissen, von wie vielen Fraueninitiativen Bill Burr hier in Deutschland jeden Tag Post bekommen würde, ich weiß aber sicher, dass er nicht viel Sendezeit im Öffentlich Rechtlichen Fernsehen bekommen würde:

Bill Burr (0:54 – 1:12)

„Sowas sagt man nicht mal im Spaß! Ich weiß nicht, was am Frauenschlagen lustig sein soll!“ Oder das Thema Behinderung. Ich habe schon viele Menschen mit Behinderungen gehört, die gesagt haben: „Auch wir haben das Recht, dass man sich über uns lustig macht“ Trotzdem gibt es etliche Menschen ohne Behinderung, die bei entsprechenden Jokes schneller „Das geht ja mal gar nicht!“ schreien, als sie ihren Soja-Mocha-Chai-Latte bestellen können.

Sarah Silverman (59:15 – 59:31)

„Sarah Silverman schon wieder! Da werden wir dafür sorgen, dass sie nie wieder vor Publikum spricht!“ Und dann gibt es da natürlich noch den King of Comedy, Louis C.K.. Der Typ ist unfassbar erfolgreich und beliebt, dabei würden bei seinem Programm die spießigen Hausfrauen und Dackelbesitzer Deutschlands reihenweise umfallen:

Lous C.K. (1:18 – 2:09)

Es geht auch nicht nur um schwarzen Humor. Auch bei Sex-Themen und Sex-Begriffen wie ficken, Cumshots, fisten, Anal-bleaching und so weiter erröten doch die Programmchefs beim deutschen Fernsehen und der Künstler wird sofort als obszönes, vulgäres Arschloch, Entschuldigung, als doofer Dussel beschimpft. Als ich nach dem Abi in Neuseeland war, und dort Comedy zu Comedyshows gegangen bin, habe ich Begriffe gehört, die habe ich in meinem Leben noch nicht ausgesprochen gehört! Also jetzt mal abgesehen von Pornos. Apropos Pornos. Ging es bei Louis CKs Programm nicht noch ein bisschen weiter?

Louis C.K. 2   (5:20 – 6:13)

„Ich wüsste nicht, was an Sex mit toten Kindern lustig sein soll!“

Wisst ihr was? Nichts! Gar nichts ist auch an AIDS und Krebs lustig! Und genau deshalb ist es lustig! Ein Witz über Kindesmisshandlung wäre doch niemals lustig, wenn Kindesmisshandlungen nicht so unfassbar schlimm und unlustig wären. Alle, die einen guten bösen Witz über Krebs nicht lustig finden, sind entweder humorlos, oder finden Krebs nicht schlimm! Wenn ihr wisst, was ich mein. Und ganz falsch finde ich auch die Einstellung: „Der ein oder andere böse Witz war ja noch lustig, aber der Witz über tote Kinder ging ja mal gar nicht!“ Sobald man eine Sache! Nur eine Sache, ein Thema ausschließt. Gibt man ja indirekt zu, dass man seine Gags ernst nimmt. Und deshalb ist ein Witz über Lepra ok, aber „bei AIDS ist Feierabend!“ Nein! Man darf über alles Witze machen! Weil nichts davon ernst gemeint ist! Keiner, der sich über hungernde Kinder in Afrika lustig macht, findet hungernde Kinder in Afrika lustig. Schwarzer Humor ist nur eine Form, mit Tragik umzugehen. Mir hat Humor schon immer auch in schwierigen Zeiten geholfen, mit schlimmen Situationen besser umgehen zu können. Man kann mich feuern, fünf Minuten später mach ich ein Witz darüber. Nicht weil ich es lustig finde, sondern weil mir Humor hilft. Und niemand wird zum Rassist, weil er einen guten, rassistischen Witz gehört hat. Es muss nicht hinter jedem Witz eine politische Aussage stecken. Es gibt mehr als Kabarett, Deutschland!

Nicht falsch verstehen, es gibt auch grottenschlechte Witze über schlimme Dinge. Man braucht jetzt nicht denken, dass man einfach böse Dinge sagen kann und das sei dann automatisch Comedy. Und natürlich gibt es noch etwas, namens Feingefühl. Auch wenn man sich bei Comedy meiner Meinung nach über alles lustig machen darf, heißt das nicht, dass es auch immer angebracht ist. Das muss dann jeder für sich selbst entscheiden. Ich würde zum Beispiel keinen 911-Gag machen, kurz nachdem die Türme eingestürzt sind. Würde aber auch niemanden deshalb verurteilen. Ich würde nur sagen: Zu früh… Ein bisschen zu früh!

Und man soll auch nicht glauben, dass die Comedians in Amerika nicht genauso mit Beschwerdebriefen zugebombt werden. Überall auf der Welt gibt es Menschen, die schwarzen Humor nicht verstehen, oder nie lernen werden, damit umgehen zu können.

Aber in Deutschland kommt es mir einfach so vor, als hätte diese Art von Humor hier überhaupt keine Chance. Klar gibt es auch im Fernsehen Ausnahmen, aber man hat das Gefühl, dass Künstler ständig aufpassen müssen, dass sie keine allzu bösen Witze machen, weil sie sonst von Programmchefs oder Pressevertretern zerpflückt werden. Ist das nur meine Einschätzung, oder denkt ihr ähnlich? Wie steht ihr zu bösen, dreckigen, schwarzen, ekelhaften Witzen über was auch immer? Lassen wir mal das Thema Religion außen vor. Das führt meist in eine komplett andere Richtung der Diskussion. Nur so viel: Diejenigen, die sich beschweren, dass Moslems keinen Spaß verstehen, sind doch die Ersten, die schreien, wenn ein Pädophilen-Gag gemacht wird. Ich glaube, viele haben generell eine falsche Einstellung zu Comedy und mich würde interessieren, ob ihr das auch so seht.

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Unterschiede im Schulsystem von Österreich, Schweiz und Deutschland

Wie unterscheiden sich die Schulsysteme von Österreich, Deutschland und der Schweiz? Darüber wollte ich berichten. Beim Recherchieren habe ich gemerkt: Sooo eine gute Idee war das jetzt mal gar nicht. Denn: Es ist schwer Dinge zu vergleichen, die in sich selbst ja auch noch mal stark unterschiedlich sind. In Deutschland haben wir die Bundesländer, die über Bildung unterschiedlich entscheiden dürfen, in der Schweiz sind es die Kantone und in Österreich… In Österreich ist das nicht aufgeteilt, da entscheidet der Bund. Aha, da haben wir doch schon unseren ersten Unterschied und genau so wollen wir uns in diesem Video mal weiterhangeln und zum Schluss sollten uns zumindest ein paar Unterschiede grob bekannt sein.

Die Unterschiede beginnen in einem Alter, in dem die meisten von uns ihre Unschuld noch nicht verloren haben und die anderen sich schleunigst einen neuen Pfarrer suchen sollten: im Kindergartenalter. In Deutschland kann man mit 3 in die Kita, für Jüngere gibt es Krippenplätze. Der Besuch eines Kindergartens ist in Deutschland keine Pflicht, anders als in Österreich und der Schweiz. In der Schweiz ist ein Kindergartenbesuch neuerdings in fast allen Kantonen obligatorisch, also Pflicht. Mit 4 Jahren geht’s da also spätestens los. Auch in Österreich ist der Kindergartenbesuch seit 2009 zumindest für Fünf- bis Sechsjährige zur Pflicht geworden. Aber kommen wir nun zum harten Business-Shit, kommen wir zur Schulzeit! Bei uns in Deutschland beginnt die bekanntlich mit der Grundschule. In Österreich heißt das Volksschule und in der Schweiz spricht man von der Primarschule. Das Eintrittsalter ist in allen drei Ländern gleich: Ungefähr 6. Apropos 6: Steht diese Zahl auf dem Test von deutschen Schülern, ärgern sie sich zu Tode, Schweizer machen dagegen einen Freudentanz. Aber nicht weil Schweizer schlechte Noten liiiieben, sondern weil die Note 6 in der Schweiz „sehr gut“ bedeutet. Die Note 1 nennt man dort übrigens, äußerst motivierend: „Unbrauchbar“. Der Österreicher kann mit 6 gar nichts anfangen. Aber nicht weil er besonders prüde ist, sondern weil dort die Note 6 nicht existiert. Hier geht die Bewertung nur bis 5: „nicht genügend“

Nach der Grundschule beginnt in allen Ländern die Sekundarstufe 1 – in Deutschland ist das nach der vierten Klasse. Da kommt dann die große Entscheidung: Bekommt das Kind eine Empfehlung für die Hauptschule, Realschule, oder das Gymnasium. In einigen Bundesländern gibt es nur die Unterscheidung zwischen Gymnasium und Gesamtschule. Und dann gibt’s natürlich wieder in einigen Bundesländern andere Bezeichnungen für den ganzen Spaß, aber ich kann hier auch nicht auf jede Extrawurst eingehen. Österreich macht es einem da zunächst mal leichter: Hier gibt’s nach der Volksschule erstmal nur die Unterscheidung: Hauptschule oder die sogenannte Allgemeinbildende höhere Schulunterstufe eines Gymnasiums. Die Hauptschule in Österreich ist aber nicht zu vergleichen mit der deutschen Hauptschule, die ja einen teils sehr schlechten Ruf hat. In Österreich ist es nicht unüblich erst auf die Hauptschule zu gehen und später trotzdem noch die Matura, also das Abitur zu erreichen und studieren zu können. Innerhalb der österreichischen Hauptschule gibt es auch nochmal eine Unterteilung in verschiedene Leistungsstufen. Je nach Kanton beginnt die Sekundarstufe 1 in der Schweiz ab der fünften, sechsten, oder siebten Klasse. Auch hier gibt es nochmal unterschiedliche Leistungsniveaus, in die die Kinder eingeteilt werden. Wie die genau aussehen und heißen ist von Kanton zu Kanton und innerhalb der Kantone unterschiedlich. Wir merken uns also heute nur: In Österreich und der Schweiz gibt’s nach der Volks- beziehungsweise Primarschule erstmal eine Art Zwischenstufe bis zur 8. Oder 9. Klasse.

Dann gibt’s nochmal einen Wechsel. Und wenn ich jetzt alle möglichen Schulrichtungen in allen drei Ländern ab der Sekundarstufe 2 aufzählen würde, dann wären in der Zwischenzeit hunderte Reissäcke in China geplatzt und wir wären alle verwirrt. Ein kleiner Einblick: in Österreich gibt’s die Berufsbildende höhere Schule, die AHS-Oberstufe, die Polytechnische Schule, in der Schweiz die Mittelschule, die Fachmittelschule, die Berufsmittelschule und so weiter. Und auch in Deutschland gibt’s ja mittlerweile Wirtschaftsgymnasien, Berufskollegs und und und. Seht ihr, ihr schielt doch schon, so verwirrt seid ihr. Ich will’s also nur grob anreißen: In Österreich wird ab Sekundarstufe 2 schon viel wert auf die berufliche Spezialisierung gelegt, man kann auch auf eine Schule gehen, auf der man Matura und Ausbildung gleichzeitig machen kann. In der Schweiz ist die Kantonschule, das Pendant zum Gymnasium nur sehr schwer zu erreichen. Lediglich 20 Prozent der Schüler werden hier durchschnittlich zugelassen. In Deutschland machen knapp 30 Prozent Abitur, dazu kommen nochmal rund 14 Prozent mit Fachhochschulreife.

Kommen wir aber zu wichtigeren Themen: Ferien! Da könnt ihr deutschen Schüler aber mal so richtig neidisch auf die Österreicher sein. Denn, wo ihr nur 6 lächerliche Wochen Sommerferien habt, sind es in Österreich neun! In der Schweiz variiert das wieder von Kanton zu Kanton zwischen 5 Wochen, oder wie im Kanton Tessin motherfucking 11 Wochen. Aber wenn es euch mal wieder richtig gut geht und ihr ne Prise Schlechte Laune gebrauchen könnt, dann denkt dran: Es gibt Länder, wie Türkei oder Italien, da haben die Schüler 13 Wochen Sommerferien. Die drei Länder unterscheiden sich aber auch noch in der Klassengröße: Durchschnittlich sitzen in Deutschlands Sekundarschulen knapp 25 Kinder, in Österreich 21 und in der Schweiz 20. Wobei man dazusagen muss, dass in Chinas Klassen durchschnittlich 53 Kinder sitzen und die sind immerhin Spitzenreiter in den Pisa-Studien. Also, mit ein bisschen diktatorischer Gefügigkeit lässt sich auch in großen Klassen Erfolg haben.

Ich hab’s am Anfang angedeutet: Es ist schwer die Länder zu vergleichen und es ist vor allem schwer ein Thema, über das man mehrere Doktorarbeiten schreiben könnte, in so kurzer Zeit zu behandeln. Ich hab also nur ein paar Gebiete kurz anreißen können und habe euch damit einen kleinen Einblick in die verschiedenen Schulsysteme von Deutschland, Österreich und der Schweiz geliefert. Jetzt könnt ihr aber gerne euren Frust loswerden: Aus welchem Land kommt ihr und was stört euch an eurem Schulsystem am meisten? Was würdet ihr ändern, wenn ihr entscheiden könntet?

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Prostitution und Zuhälterei entkriminalisieren?

Wir alle besuchen sie täglich, aber trotzdem sind sie in manchen Ländern illegal: Prostituierte

– INTRO –

Und damit herzlich willkommen zu den SRSLY NEWS. Ein Vorstoß der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wird zur Zeit heftig diskutiert. Sie fordert die Entkriminalisierung von Prostitution. In Deutschland ist Prostitution zwar legal, aber weltweit sieht das ganz anders aus. In all den rot markierten Ländern auf dieser Karte ist Prostitution illegal. Amnesty fordert, dass Prostituierte, aber auch Zuhälter und Bordellbetreiber nicht grundsätzlich kriminalisiert werden sollen. Denn sonst finde das alles im Untergrund statt, wo die Sex-Arbeiterinnen überhaupt keine Rechte haben und wie Dreck behandelt würden. Salil Shetty, der Generalsekretär von Amnesty International sagt dazu:

„Prostituierte sind eine der am meisten vernachlässigten Gruppen in der Welt, die in den meisten Fällen ständig dem Risiko von Diskriminierung, Gewalt und Missbrauch ausgesetzt sind.“

Die Gegner des Vorstoßes sind entsetzt und sagen, dass sich dadurch Menschenhändler und Sextouristen bereits ihre blutigen beziehungsweise klebrigen Hände reiben würden. Zu den Kritikern zählt auch Alice Schwarzer und ihre Zeitschrift Emma. Sie befürchten, dass mit einer Entkriminalisierung nur diejenigen vor Bestrafung geschützt würden, die Milliarden am Handel mit Frauen verdienen. Die Emma schreibt sogar, dass die Organisation Amnesty International damit an ihrem unrühmlichen Ende angelangt sei. So, wem soll man hier jetzt glauben? Ist es gut oder schlecht, Prostitution zu erlauben? Ich mein, so oder so wird es immer Prostitution geben, gab es ja wohl auch schon so gut wie immer. Sollte man das dann nicht einfach akzeptieren und alles dafür tun, dass es wenigstens geregelt und menschenwürdig abläuft? Aber was ist mit der Tatsache, dass etliche Prostituierte zur Arbeit gezwungen werden? Wird es durch eine Legalisierung nicht viel schwieriger, den Menschenhandel zu stoppen?

Fakt ist: In Ländern, in denen Prostitution verboten ist, führen Prostituierte oft ein gefährliches Leben. Amnesty hat dazu mit einigen aus verschiedenen Ländern gesprochen. In Papua Neuguinea ist Prostitution verboten. Eine Sexarbeiterin erzählt, dass sie hier von der Polizei geschlagen und gejagt wird. In Krankenhäusern werde man schief angeguckt und schlecht behandelt. Auch in anderen Ländern, wo Prostitution verboten ist, berichten Sex-Arbeiterinnen davon, dass sie wie Menschen zweiter Klasse behandelt und schlichtweg diskriminiert würden. Eine Prostituierte aus Norwegen – auch ein Land mit strengen Prostitutionsgesetzen, wollte sich für ein Treffen einen Bodyguard mieten, der hatte aber Schiss, seinen Job zu verlieren, wenn er für sie arbeiten würde. Der Zugang zu Sicherheit, Medizin, Justiz scheint für Prostituierte in Ländern mit entsprechenden Verboten schwieriger zu sein, als für Menschen mit anderen Jobs. Das nennt man Diskriminierung. Ein weiteres Beispiel: In manchen Ländern werden Transgender derart diskriminiert, dass sie keinen Job bekommen. Für viele ist Prostitution dann der einzige Weg, um an Geld zu kommen. Durch entsprechende Verbote werden in solchen Ländern viele Transgender kriminalisiert. Wie kann man einen Vorstoß kritisieren, der genau diese diskriminierenden Zustände bekämpfen will? Naja, man weiß eben nicht genau, inwiefern eine weltweite Entkriminalisierung tatsächlich dem Menschenhandel in die Taschen spielt. Wenn Zuhälterei legalisiert ist, finden sicher auch kriminelle Zuhälter und Händler Wege, dass nur die legalen Seiten des Geschäfts an die Öffentlichkeit gelangen.

Bei der Recherche hab ich schnell gemerkt, dass es in der Diskussion teilweise gar nicht darum geht, ob man die Rechte der Prostituierten stärken soll oder nicht. Es geht um eine grundsätzlichere Frage: Ist Prostitution generell okay, oder sollte es in einer aufgeklärten, emanzipierten Gesellschaft überhaupt keine Prostituierte mehr geben? Dann sagen die einen: Eine Frau sollte selbst entscheiden dürfen, was sie mit ihrem Körper macht und wie sie ihr Geld verdient. Die andere Seite sagt: Keine emanzipierte Frau der Welt, will freiwillig ihren Körper verkaufen. Da stecke immer Zwang dahinter. Dann sagen die anderen wiederum: Das ist eine völlig veraltete, sexistische Sichtweise, die Frauen in „Moralische Menschen“ und „Schlampen“ einteilt. Diejenige, die mit vielen Männern Sex hat, ist eine Schlampe und macht das nur, weil sie dazu gezwungen wird. Dass es Frauen gibt, die gerne Sex haben, und kein Problem damit haben, dafür Geld zu verlangen, wird als Märchen abgetan. Ich hab jedenfalls gemerkt: Es ist ein verdammt schwieriges Thema! Einerseits gibt es sie natürlich: Die Prostituierte, die das freiwillig und gerne macht. Andererseits wäre es völlig naiv und gefährlich nicht zu erkennen, dass eine große Masse der Prostituierten gezwungen wird und in einem kriminellen System gefangen ist – auch in Ländern, in denen Prostitution erlaubt ist. Was mich aber ärgert ist, dass die Gegner des Vorstoßes derart auf Amnesty losgehen. Denn, wenn man mal die Emotionen rausnehmen würde, merkt man schnell: Beide Seiten wollen das gleiche: Menschenhandel stoppen, die Rechte der Betroffenen stärken. Sollte man sich dann nicht eher zusammentun und sagen OK, euer Vorschlag ist gut gemeint, aber wenn man nicht gleichzeitig x,y reguliert, könnte das dazu führen, dass Menschenhändler profitieren?

Die Frage, ob Prostitution generell ok ist, kann man in den Feuilletons und Philosophie-Seminaren diskutieren. Die Realität sieht nun mal so aus, dass sich viele Frauen, oder auch Männer dazu entscheiden, sich zu prostituieren. Diese Lebensrealität muss angenommen werden und dann muss diskutiert werden, welche Gesetze zu einem besseren Zustand der betroffenen Frauen, Männer, Transgender führen könnten. Generell tendiere ich im Moment zur Einstellung von Amnesty. In meinem Kopf ist einfach die Situation, dass eine Prostituierte von einem Freier verprügelt wird, danach aber nicht zu Polizei geht, weil sie Schiss hat verhaftet zu werden, weil Prostitution im Land verboten ist. Ich glaube also, dass es sinnvoll wäre, zunächst mal eine Entkriminalisierung weltweit durchzuführen und im nächsten Schritt beziehungsweise zeitgleich Maßnahmen zu diskutieren, die kriminelle Machenschaften unterbinden sollen. Mögliche Gesetzesänderungen sollten daher immer in enger Zusammenarbeit mit der Verbrechensbekämpfung im Land geplant werden.

Das ist meine Meinung, schreibt eure jetzt aber gerne in die Kommentare, fändet ihr eine Entkriminalisierung sinnvoll? Was sagt ihr generell zum Thema Prostitution? Ich bin gespannt auf eure Einstellung! Wenn euch dieses Video gefallen hat, freue ich mich über den sogenannten Daumen nach oben, abonniert SRSLY und klickt dann noch auf diesen Kommentar von Kurt Peh „dankeschön, dass du mir prophylaktisch meinen Familienurlaub versaust. Venedig wird jetzt richtig schön ;)“ Da geht’s zur letzten SRSLY NEWS, in der ich beschrieben habe, wie Touristen alles kaputt machen. Alles. Viel Spaß dabei und bis Donnerstag zur SRSLY SHOW!

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Wie Tourismus unsere Städte zerstört

Wir brauchen keine Soldaten mehr. Es reichen Touristen, um unsere Städte zu zerstören.

INTRO

Und damit herzlich willkommen zu den SRSLY NEWS. Heute mit einem Thema, das uns alle und wahrscheinlich auch aktuell betrifft. Denn es ist Hauptreisezeit und wir Deutschen LIEBEN es, zu reisen. 77 Prozent unserer Bevölkerung war 2014 unterwegs auf Reisen. Überall wo ich hingehe, treffe ich auf Deutsche. Ich bin nach dem Abi nach Neuseeland geflogen, um Englisch zu lernen, aber in den Hostels waren mehr Deutsche als am Brandenburger Tor. DAS zeigt wiederum: Nicht nur WIR reisen gerne, die halbe Welt scheint darauf zu stehen, sich in Touri-Vierteln das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen. Was ist aber, wenn sich ein Touri-Viertel über die ganze Stadt erstreckt. Ist Venedig überhaupt noch eine Stadt, wenn da kaum einer mehr wohnt, Arbeiterkneipen in Touri-Szenebars verwandelt werden und der lokale Bäcker dem Souvenirshop weichen muss? Wie soll man darauf reagieren, dass die Strände Spaniens teils so voll sind, dass man selbst die Einsiedlerkrebse um ihren geräumigen Platz beneidet?

Darf man sich über solche Entwicklungen überhaupt beschweren, wenn man selbst gerne zum Scheiß-Touri wird? Der Tourismus, so sehen das meist die Einwohner, zerstört die Städte. Darauf möchte ich heute eingehen und zum Schluss erkläre ich noch, warum Tourismus nicht nur Städte zerstört.

Was man vielleicht zuerst mal erwähnen sollte: Folgendes Zitat: „Florenz ist nichts Besseres als ein Museum voller Touristen.“ stammt vom Franzosen Stendhal und zwar aus dem Jahr 1826. Man scheint sich also schon immer gerne über Touristen aufgeregt zu haben, das ist wohl nichts Neues. Neu ist aber sicher das Ausmaß. Die Playa de las Catedrales in Spanien wollten im Schnitt bis zu 20 000 Menschen pro Tag besuchen. Es haben sich kilometerlange Menschenschlangen gebildet. Die Regionalregierung hat jetzt reagiert. Seit Juli darf man dort nur noch hin, wenn man sich vorher online angemeldet hat. Am besten 15 Tage im Voraus. Pro Tag können jetzt also nur noch knapp 5000 Menschen den Strand besuchen. Man will dadurch die Umwelt schützen und den Besucherstrom kontrollieren. Auch beim Markusplatz in Venedig wird über eine Zugangsbeschränkung nachgedacht. Und die Balearen, die jährlich 14 Millionen Touristen aufnehmen, wollen durch eine Touristenquote in der Hauptsaison erreichen, dass sich die Besuche besser über das Jahr verteilen. In den Sommermonaten sei die Aufnahmekapazität total erschöpft, sagt die Regionalregierung auf Mallorca. Sieht so also der Tourismus von morgen aus? Überall gibt es Zugangsbeschränkungen? Werden bei einer Pauschalreise künftig nicht nur Anfahrt und Hotel angeboten, sondern auch die Eintrittskarte auf den Trafalgar Square? Ich persönlich finde die Vorstellung gruselig. Aber ich finde natürlich auch die Entwicklungen in den Städten gruselig. Wenn das eigentliche Leben aus den Innenstädten verschwindet und alles nur noch vom Tourismus-Defibrilator künstlich am Leben erhalten wird, wo ist dann der Unterschied zwischen dem echten Venedig und dem nachgebauten Venedig in Las Vegas? Im Endeffekt entwickeln sich Städte in überteuerte Museen, durch die man marschieren kann und sich denkt: „Ach und hier haben früher also Menschen das Pariser Lebensgefühl genossen? Interessant.“

Auf der anderen Seite muss ich sagen: Was soll das? Über was beschwert man sich da? Dass wir immer mehr Menschen werden? Dass Menschen ihren Horizont erweitern, schon junge Leute fremde Kulturen und Länder bereisen und so bestimmt ein Stück weltoffener werden? Für viele Städte, das darf man hier nicht vergessen, ist der Tourismus eine entscheidende Einnahmequelle. Es entstehen Arbeitsplätze und damit nicht selten Wohlstand. Tourismus und Kongressgeschäft sichern allein in Berlin geschätzt 280 000 Arbeitsplätze. Außerdem geht mir das Touristen-Bashing mächtig auf die Klöten. Erstens sind wir meist selbst irgendwann irgendwo Touristen und zweitens ist das für mich oft nichts Anderes als salonfähiger Rassismus. „Scheiß Ausländer“ sagen ist No-Go, „Drecks Touris“ sagen ist en vogue.

Wenn man von negativen Auswirkungen beim Tourismus spricht, muss man jedoch noch eine ganz konkrete, physische Zerstörung ansprechen. Und zwar die, der Ökosysteme in Urlaubsparadiesen wie dem Roten Meer oder den Malediven. Hier werden ganze Korallenriffe zerstört, weil immer mehr Touristenboote ihre Anker auswerfen, rücksichtslose Taucher die Korallen begrabschen oder sogar abbrechen und als Souvenir mitnehmen und weil ganze Ökosysteme für den Tourismus umgebaut werden. So wird auf den Malediven zum Beispiel Sand aufgeschüttet, um die Formen der Inseln zu verändern, damit etwa Wasserbungalows nicht zu viel Wellen abbekommen. Dadurch verändert man Strömungen und zerstört Lebensräume. Der Schmutz, der beim Bau der Ferienparadiese entsteht und natürlich auch der, den die Touristen verursachen, tötet zusätzlich Lebewesen. Muscheln oder Schnecken, die Touristen kaufen und als Souvenir mit nach Hause nehmen, werden nicht am Strand aufgelesen, sondern extra mit Ködern aus dem Meer gefischt, weil sie nur dadurch ihre glänzende Oberfläche behalten. Dass man gegen diese Zerstörung der Natur vorgehen muss, liegt nicht nur im Interesse der Umweltschützer. Denn wenn Riffe sterben, sterben Fische, dann haben Fischer nichts mehr zu fischen. Auch Fischers Fritze nicht. Außerdem bleiben DANN auch irgendwann die Tauchtouristen aus. Es ist also auch aus wirtschaftlicher Sicht nur sinnvoll, diese zerstörerischen Auswirkungen des Tourismus einzudämmen. In diesem Fall kann die Politik vor Ort mit Fangverboten, Taucher-Quoten oder der Errichtung von Naturschutzgebieten eigentlich schnell reagieren. Das ist bei den anfangs angesprochenen Problemen in den Touristenstädten natürlich nicht so einfach. Oder sollte es bald sowas wie Naturschutzgebiete für Städte geben, Stadtschutzgebiete, in denen weit und breit keine Postkarte verkauft werden darf? Findet ihr, die Politik sollte zum Beispiel verhindern, dass Wohnraum in Ferienwohnungen verwandelt wird?

Oder sagt ihr, die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, und wir sollten uns damit abfinden, dass viele Innenstädte zu „Plastikstädten“ verkommen? Ich persönlich hätte ja nichts gegen ein Verbot von Junggesellenabschieden mit einheitlichem neonfarbenem Trikot – Ich glaube, da wäre schon mal viel getan. Schreibt eure Meinung zum Thema in die Kommentare, wenn euch das Video gefallen hat, freu ich mich über euren Like, abonniert meinen Kanal SRSLY und klickt dann noch auf diesen Kommentar von Claudio Murmann „Ich finde, man sollte die hohe Poesie der NPD Trier im Deutschunterricht analysieren.“ Da geht’s zur letzten SRSLY SHOW – also Mords Gaudi – unter anderem mit den Creep Tweets, viel Spaß dabei, bis übermorgen, habt trotzdem nen schönen Urlaub, ciao!

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